Liebe Bayern
ich weiß, laut Pisastudie seit Ihr ganz weit vorne. Also wird das wohl so richtig sein:
Kann ich mich jetzt darauf einstellen, daß ich zukünftig gefragt werde: “Hey, willst Du kaufen Buntes Mix?”
ich weiß, laut Pisastudie seit Ihr ganz weit vorne. Also wird das wohl so richtig sein:
Kann ich mich jetzt darauf einstellen, daß ich zukünftig gefragt werde: “Hey, willst Du kaufen Buntes Mix?”
Was ich gerade im Lawblog gelesen habe, erinnert mich stark an meine Kabeldeutschlandodyssee:
Ende letztenn Jahres wurde bekannt, dass Kabeldeutschland Hameln mit Internet versorgen will. Ich war heiß. Die Telekom meint für einen DSL-Anschluss sei ich und meine schäbigen Nachbarn zu scheiße oder wie es im alten Postbehördendeutsch hieß “der Ausbau ist bislang nicht geplant”. Mein Gott war ich heiß. Als einer der ersten bin ich zum Shop gelaufen und habe mir den schnellsten Anschluss bestellt, den man für Geld bekommen konnte. Denn ich war, ich erwähnte es schon, heiß! Eine der ersten Fragen dort war, ob man zur Miete wohnt oder Eigentümer sei. “Nein keine Miete, ich bin Eigentümer.”
Nach und nach bestellten auch Freunde und Bekannte den Anschluss. Nach und nach bekamen auch Freunde und Bekannte den Anschluss. Sie waren glücklich. Ich war nur heiß. Allerdings ohne Internet.
Etliche Anrufe beim Callcenter ergaben jeweils nur, dass mein Auftrag in Bearbeitung wäre und sich in Kürze eine Elektroinstallationsfirma bei mir melden würde. Auch bei diesen Anrufen wollte jeder Gesprächspartner wissen, ob ich Mieter oder Eigentümer bin. “Nein keine Miete, ich bin Eigentümer.” Meine Freunde und Bekannten haben da längst gesurft bis ihnen der Arsch platzte. Ich wartete nur auf diesen Anruf. Vergebens. Aber ich war heiß.
Nach Wochen hat mir dann eine Callcenterperle offenbart, das die MMG nicht vorliegt…. Natürlich! Da hätte ich auch selber drauf kommen können! Die MMG fehlt!
“Was ist eine MMG???”
“Na, die Multimediagestattung.”
“Könnten Sie etwas konkreter werden?”
“Na, Ihr Vermieter muss Ihnen gestatten, einen Kabeldeutschlandanschluss zu installieren.”
“Mann! ICH BIN DER EIGENTÜMER DIESES HAUSES!”
“In unserer Datenbank steht aber Dörthe Seyer”
“Das kann gut sein, denn das ist meine Frau!”
“Es wäre aber besser, wenn Sie uns trotzdem eine MMG senden.”
Ich gab auf. Ich tat alles was die Puppe von mir wollte. Ich war schließlich heiß.
Den MMG habe ich dann selber im Namen meiner Frau unterschrieben. Das war gar nicht so schwer, zufällig haben wir den gleichen.
Noch heute bin ich mir für meine großherzige Geste dankbar, dass ich mir Multimedia gestatte.
Meine Kinder stehen total auf Pokemon. Alle Kinder in der Nachbarschaft stehen auf diese Dinger, die nur auf völlig überteuerten Spielkarten oder in einer elende Zeichentrickserie existieren.
Auch wir haben sicher als Kinder irgend etwas gehabt, was unsere Eltern überhaupt nicht verstanden haben. Star Wars Figuren, Hulk. Slimy mit Würmern oder Superman?
Ich stehe heute jedenfalls machtlos vor der Pokemon-Plage. Shiggy mit der Entwicklung zu Schillog, Glumanda wird zu Glutexo und aus Nebulack wird Allpollo (?). Ich sehe die Japanischen Erfinder ganz deutlich vor mir, wie sie täglich drei Eimer Pisse vor lachen aus dem Büro schleppen müssen vor lachen nicht in den Schlaf kommen.
Neulich schnappte ich den Namen “Tokkepi” auf, der würde noch halb in seinem Ei stecken. Referierte mein jüngster vor den Nachbarskindern.
Ich liebe meine Kinder über alles und würde ihnen nicht den Spaß an den Pokemons verderben. Konnte es mir aber nicht verkneifen abends in kleinster Runde, unter großem Hallo und Gegacker der Jungs zu erzählen, dass heute in den Nachrichten Tokkepis tragischer Unfall durchgegeben wurde. Er sei zu blöde für die Ampel gewesen und deshalb von einem LKW weggemöllert worden. Ja-ha, das ist pädagogisch astrein!
Diese Story kam offenbar so gut an, dass sie haargenau mit weißer und sehr viel roter Straßenmalkreide in unserer Garageneinfahrt nachgezeichnet wurde.
Die Nachbarjungs standen bis eben mit offenem Mund davor. Strike!
Ich habe über die Wegschließung von Frl. Hilton weder etwas gelesen noch gesehen. Ich oute mich als teilnahmslos gegenüber jeglicher Meldungen über dieses schwere Knastschicksal.
Befinde ich mich jetzt am kulturellen Endpunkt?
Wenn ja, oben oder unten?
Um es vorweg zu nehmen: ja.
“Ja klar”, höre ich es schon durch die mich nicht lesende Bloggerschar murmeln, “das hätte ich mir denken können. Unsereins ergötzt sich am Verständnis über die Probleme Anderer und der Arsch Martin macht sich darüber lustig.”
Oh, wie ich diese Heuchelei hasse. Wenn ich so eine Art, nennen wir es “Versteher” wäre, hieße ich Arno (sorry an alle Arnos), hätte als Lehrer oder Sozialpädagoge ein Büro, in dem ich andere Menschen gegen Vergütung verstehen müsste, würde abends in Cafes sitzen und bei Grande Latte mit fettarmer Milch meine Freunde so was von verstehen, Sind mal keine Freunde vorrätig, könnte ich auch wildfremde Gäste schier kaputtverstehen.
Nur eins würde ich bestimmt nicht machen: bloggen! Warum bloggt man denn überhaupt? Wahrscheinlich erst einmal an der Freude, bei manchen auch verständnislose Bewunderung, an der Technik. Aber über was blogge ich? Über das was mich aufregt, was ich Mist finde, was lustig ist oder einfach völlig neben der Spur und schief läuft.
Ich persönlich ziehe gerne über Sachen her, die ich dumm finde. Manchmal nehme ich aber auch alltägliches und mache daraus eine “Nummer”. Ich beschränke mich da aber auf keinen Fall nur auf Andere. Ich mache mich genau so gerne und viel über mich lustig. Einstecken kann ich, dass musste ich schon seit je her. Nur austeilen kann ich noch besser. Übung macht nun mal den Meister. Zack, schon gilt man als Introvertiert.
Daniel, den ich nur vom Sehen kenne, aber trotzdem richtig gut leiden kann, habe ich heute bei der Geburtstagsfeier von Lars ein wenig zu lange mit seiner Vorliebe für Putenfleisch aufgezogen. Was selbstverständlich keine Aussagekraft haben kann, denn was sollte eine Vorliebe für Geflügel denn schon Aussagen? Ich könnte auch Leute, die Zahnpaste mit Mint benutzen veralbern. Er hielt mir vor, dass ich ein Arschloch wäre oder mich zumindest so benehmen würde.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dass sein ernst war oder auch nur als Gag gemeint war. Allerdings bin ich diese Reaktion gewohnt.
Denn ich bin ein Böser.
Kein Versteher.
Ein Blogger.