Der Deckversager

Der kleine Deckversager weinte bitterlich auf dem Schoß seiner Mutter. Sie tröstete ihn mit den stählernden Worten „Du willst doch ein Mann sein, also musst Du auch lernen zu verlieren.“ Recht hatte sie und der stark russische Akzent der Mutter gab den Worten eine harte Note. Zumindest für mich, denn ich habe in den Achtzigern gesehen, wie Rocky in Russland gegen Ivan Drago kämpfen musste und weiss genau was da läuft.

Minuten vorher schrie die fanatische Muttertrainerin, die, es gehört jetz hier gar nicht her, ausgesprochen attraktiv war, zusammen mit einer Horde Cotrainer, die ebenfalls auf 180 liefen, „Decken!“, „Decken!!“, „Deeeecken!!!“ und „In die Ecke werfen!“ von der Tribüne aus auf das Spielfeld, wo sich sechsjährige bei einem Minihandballturnier tummelten und eben alles machten, nur offensichtlich eins nicht, decken und in die Ecke werfen. Die große Schwester des kleinen Nichtdeckers rief irgendwann die Mutter zur Ordnung und meinte, sichtlich peinlich berührt, „Mama, Alex hat nicht an allem Schuld.“

Aber ich als Sportignorant wusste das vielleicht einfach nicht besser und das musste so sein. Zum Schluß bekamen ausnahmslos alle Teilnehmer eine Siegerurkunde und eine bunte Tüte, Ich vermute, genau weiß ich es natürlich nicht, dass auf Alex anstelle des Namens, „Der der nicht deckt“ gestanden hat und wenn es nicht vom Kampfgericht so eingetragen war, hat es spätestens seine Mama zuhause mit Edding korrigiert.

In drei Wochen ist das nächste Spielfest, bis dahin muss ich meinen Sohn noch ins Trainingslager geben und mir einen Klebeschnautzer besorgen.

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