Eine Eins im Armutszeugnis

„Multikulti ist tot“ schmeckt wie billiger Pathos aufs Brot. Liebe Frau Merkel, lieber Herr Seehofer, ich schäme mich fremd für Sie.

Ja, ich gehe nun mal lieber in eine Trattoria oder zum Dönerladen an der Ecke, als mit Oma Unke im Wirtshaus im Spessart Grütze zu essen.

Ich rede  gerne mit dem Nebenmann im Zug und erfahre vom ihm, warum er hier und in London Medizin studiert und nicht in Pakistan, anstelle mich mit Sprachcollagen aus BILD-Zeitungszitaten  von Damen in karierten Hosen und grauen Kurzhaarfrisuren zu befassen.

Meine türkisch stammende Freunde sind bedeutend tiefer „integriert“, wenn man sich überhaupt so einer beschissenen Polemik bedienen will, als jeder Hirni mit Onkelz-Heckscheibe im Autoclub Arschgeige e.V. Ihre Mütter können besser kochen. Ihre Schwestern sehen besser aus.

Ich fahre gerne an das Mittelmeer und freue mich, wenn dort jemand etwas Deutsch versteht, nachdem ich mich mit meinem Kassenpatientenspanisch versucht habe verständlich zu machen. Und komisch, der ältere Herr in der Bodega im spanischen Nirgendwo freute sich einen Ast, mich damit überraschen zu können. Ich bin halt bockig, weil ich nicht in Kniebunthose im bayrischen Wald Urlaub machen mag. Jedenfalls nicht nur.

Ich fühle europäisch, ich lebe europäisch, ich esse europäisch, ich konsumiere global. Ich schäme mich für das, was hier in Deutschland zur Zeit gerade diskutiert wird.

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