Was kostet uns die Flüchtlingskrise?

Januar 2016

„Die Flüchtlinge kosten uns eine menge Geld.“
„Was passiert mit unseren Renten.“
„Für die Armen und Schüler ist kein Geld da, aber für die Syrer.“
„Uns geht es schlecht und „die“ bekommen alles in den Arsch gesteckt.“
„Was die ganzen Polizeieinsätze kosten (denn das SEK und Feuerwehr jeden Tag vor Ort sagt die Nachbarin der Katze meiner Cousine) können wir gar nicht abschätzen.“

 

Januar 2017

„So geht das in Deutschland nicht weiter.“
„Man muss die Ängste des Volkes ernst nehmen.“

 

Januar 2018

Haushaltsüberschuss Bund verzeichnet Milliardenplus.
Haushalt 2017 Bericht: Bund verzeichnet Überschuss von 3,7 Milliarden Euro

 

Äh – Nein.

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Finde den Fehler

Am 75. Todestag von Sophie und Hans Scholl – wie an jedem anderen Tag des Jahres –   im Wartezimmer zu sitzen und einen Lonsdale-Pullover tragen empfinde ich als unüberlegt.

(Auch wenn ich die Bemühungen der Sportbekleidungsfirma honoriere sich die braune Kacke abzustreifen, dieses Pärchen samt Töchterchen heute morgen hatte mit Sport so viel zu tun, wie ich mit einer Frisurenberatung beim Intercoiffure.)

Und als wenn das noch nicht reichen würde, um mir auf den Sack zu gehen, hatten sie noch die Oma mit dabei, die ohne Unterlass mit ihrer Tochter hochbrisante Themen wie die vom Vater/Ehemann/Nachbarn/Beschäler falsch gekauften blauen Säcke oder die wie ein Mantra wiederholten Regelungen zum Handygebrauch während der offensichtlich kürzlich beendeten Rehamaßnahme austauschten.

Gerne nehmen wir anderen Patienten diesen steten Fluss an Informationen auf.

Aber wie zitiert mein bester Freund immer wieder gerne „eine Demokratie muss auch solche Leute ertragen“. Leider konnte ich Blödheit noch nie gut ertragen.

Als sich dann endlich die Oma aufmachte das Wartezimmer zu verlassen, kam es zum Höhepunkt des Entertainments: „Bist Du eigentlich sicher, das der Doktor da ist, der macht doch auch Hausbesuche?“, worauf er, wie von einer Tarantel gestochen im vollbesetzten Wartezimmer aufsprang und mit seinen Stummelbeinchen auf dem Flur der Arzthelferin hinterherlief, um postwendend wutschnaubend zurückzustampfen und zu krakeelen, ob es bei denen „hier“ „hackt“, denn wer „Termine vergibt, muss sich an diese halten“, um wiederum leider genau in diesem Augenblick von einer anderen Mitarbeiterin aufgerufen zu werden.

Wobei er natürlich mit den Terminen recht hat, denn aus den Gesprächen entnahm ich, dass er Handwerker ist (Deutscher Handwerker) und die sind ja dafür bekannt, dass sie ihre Termin minutiös einhalten, also kann er das ja wohl in einer Arztpraxis auch erwarten – was sollten die schon für Notfälle dazwischen bekommen?

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Handwerk +1

imageknochenschinkenWer meine Vorliebe für guten Schinken und handwerkliche Produkte aus der Region teilt, sollte dringend mal bei Schlachter Schulte (hier bei uns in Hameln in der Baustrasse) reinschauen und den hausgemachten, luftgetrockneten Knochenschinken „Alter Fritz“ probieren.

100g – 3,98 Euro die sich lohnen. Regionale Qualität anstelle von Massenproduktion sind mein Ding.

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Das war’s noch lange nicht!

Mein Vater kommt aus einer Generation, die nie gelernt hat einen in den Arm zu nehmen oder zu sagen „ich habe Dich lieb“. Gezeigt hat er es aber immer. Mein Vater ist im Krieg geboren und hat viel erlebt.

An einem hat es mir nie gemangelt: er hat uns immer das Gefühl gegeben, das er mächtig stolz auf uns ist. Und er war immer, wirklich immer kompromisslos für uns da. Dafür bewundere und liebe ich ihn.

Heute morgen hat auch ihn der Krebs geholt.

Er hat mir drei unbezahlbare Dinge hinterlassen: den stolz auf meine Kinder, dass Jungs immer saubere Fingernägel haben müssen (ich habe es im Ohr, als wäre es gestern gewesen, dass ich ihm als Knirps meine Hand im Bad hinhielt) und die Weisheit sich selber nicht zu ernst zu nehmen, um Leute die es tun, nicht ernst nehmen zu müssen, denn das Leben ist ernst genug, gerade an einem scheiß Tag wie heute.

Aber das Leben wird weitergehen. Ich werde meine Familie lieben und irgendwann jubeln, wenn Deutschland wieder Weltmeister wird.

Dabei werden wir an Dich denken.

Opa_und_Paul

Wilfried Seyer *18.07.1938 +04.07.2013

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Das Moroder-Trauma

Es ist wieder so weit. An jeder Ecke sehe ich Olympiaschnickschnack. Die Glotze ist voll damit und nicht mal Firefox kann ich aufrufen, ohne dieses Ding im Kopf.

Denn seit 1984 schaltet mein Ohrwurmvirus bei Sichtung der olympischen Ringe (ausser bei Audi) auf Giorgio Moroders „Reach Out“ – damals wochenlang in den Charts. Wochen, die mir wie Jahre im Gulag vorgekommen sind. Mann, was sollte das denn? Die damaligen US-Charts waren sind die langweiligsten Aneinanderreihungen von Mummpitz, die man sich vorstellen kann. Nur halt mit diesem grauenhaften 80er-Charme.

Die olympischen Spiele und Sport an sich, weckten schon damals bei mir kein Interesse. Aber ok, wem es gefällt, der soll es gucken. 1984 wurde dann in L.A. die Flamme entzündet und der Raketenrucksackmann flog spektakulär über das Feld. ARD, ZDF und die Bild überschlugen sich förmlich. Zum Glück wurde der Schmott mitten in der Nacht übertragen und für Teenies vollkommen unzugänglich, bereits vormittags wiederholt. (Mal Hand aufs Herz, wer steht mit 15 in den Sommerferien um 10:00 Uhr auf um Sport zu gucken? Wichtigere Probleme, waren zu lösen. In der „Batze“. In der Mädchenumkleide haben wir… ach lassen wir das. Zurück zum Thema.)

Aber dann dieser Song, der überall lief. Er brannte sich ein wie ein Tattoo, dass man nach alkoholbedingten  Gedächtnisverlust am Tag darauf auf seinem Arm findet.

Reach out, reacht out for the medals. Mein Vietnam. Danke Giorgio. Danke USA.

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Krisen

Liebe Griechen, ich bringe gleich meine PET-Flaschen zum Automaten und kaufe mir vom Pfand die Akropolis. Die verkaufe ich dann den Japanern für popelige 10 Mio. Euro als Blickfang für den Deckel des Betonsargs auf dem AKW Fukushima. Rundherum wird mit Erde aufgeschüttet und zack ist das Wochenendausflugsziel perfekt.

Wenn in Japan der gleiche Touristenrummel wie in Tschernobyl losgeht, leuchtet das griechische Prachtstück Tag und Nacht. Selbst ein Spieß der obligatorischen Gyrosbude kann mit der Energie aus einer einfachen Black&Decker-Kernbohrung betrieben werden.

Japan münzt die Katastrophe in eine Hammerattraktion um und Griechenland hat mein Pfandgeld. Eine klassische Win-Win-Situation.

Wer noch fragen hat, kann mich anrufen. ich führe ALLE aus der Krise.

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Toleranz wird groß geschrieben. Weil es ein Hauptwort ist?

Es gibt Dinge, da könnte ich aus der Haut fahren. Zum Beispiel als ich dank den Piraten von der Facebookseite „Keine Dritte Moschee in Hameln“ erfuhr.

Abgesehen davon, dass nicht ein Gedanke über evangelische, katholische, neu-apostolische,  baptistische oder sonstige fischaufklebenden Bauvorhaben verschwendet wird, zeugt diese Aktion von einer Kurzsichtigkeit, die ganze Optikergenerationen ernähren könnte.

Aber nun gut, jeder hat das Recht seine Meinung zu haben und diese auch zu äußern. Aber ich finde man muss dann dazu auch stehen, den Gedanken in sich aufnehmen. Ihn leben!

Mit anderen Worten: wenn ich Euch Toleranzverweigerer noch einmal einen Döner essen, Pizza holen sehe, Ihr Euch Gyros bestellt oder Euch am Chinesenbuffet anstellt, setzt es einen Satz heiße Ohren.

Esst Eure Kohlrouladen bei Mama im Eichenrustikalwohnzimmer. Nehmt die „Kameraden“ und trinkt Euer Bier zusammen mit den Herren im Maurerdekoltee in der versifften Eckkneipe.

Bitte keine halben Sachen mehr!

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Eine Eins im Armutszeugnis

„Multikulti ist tot“ schmeckt wie billiger Pathos aufs Brot. Liebe Frau Merkel, lieber Herr Seehofer, ich schäme mich fremd für Sie.

Ja, ich gehe nun mal lieber in eine Trattoria oder zum Dönerladen an der Ecke, als mit Oma Unke im Wirtshaus im Spessart Grütze zu essen.

Ich rede  gerne mit dem Nebenmann im Zug und erfahre vom ihm, warum er hier und in London Medizin studiert und nicht in Pakistan, anstelle mich mit Sprachcollagen aus BILD-Zeitungszitaten  von Damen in karierten Hosen und grauen Kurzhaarfrisuren zu befassen.

Meine türkisch stammende Freunde sind bedeutend tiefer „integriert“, wenn man sich überhaupt so einer beschissenen Polemik bedienen will, als jeder Hirni mit Onkelz-Heckscheibe im Autoclub Arschgeige e.V. Ihre Mütter können besser kochen. Ihre Schwestern sehen besser aus.

Ich fahre gerne an das Mittelmeer und freue mich, wenn dort jemand etwas Deutsch versteht, nachdem ich mich mit meinem Kassenpatientenspanisch versucht habe verständlich zu machen. Und komisch, der ältere Herr in der Bodega im spanischen Nirgendwo freute sich einen Ast, mich damit überraschen zu können. Ich bin halt bockig, weil ich nicht in Kniebunthose im bayrischen Wald Urlaub machen mag. Jedenfalls nicht nur.

Ich fühle europäisch, ich lebe europäisch, ich esse europäisch, ich konsumiere global. Ich schäme mich für das, was hier in Deutschland zur Zeit gerade diskutiert wird.

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