Zucker

süß wie Ohrenschmalz

Das Moroder-Trauma

Es ist wieder so weit. An jeder Ecke sehe ich Olympiaschnickschnack. Die Glotze ist voll damit und nicht mal Firefox kann ich aufrufen, ohne dieses Ding im Kopf.

Denn seit 1984 schaltet mein Ohrwurmvirus bei Sichtung der olympischen Ringe (ausser bei Audi) auf Giorgio Moroders “Reach Out” – damals wochenlang in den Charts. Wochen, die mir wie Jahre im Gulag vorgekommen sind. Mann, was sollte das denn? Die damaligen US-Charts waren sind die langweiligsten Aneinanderreihungen von Mummpitz, die man sich vorstellen kann. Nur halt mit diesem grauenhaften 80er-Charme.

Die olympischen Spiele und Sport an sich, weckten schon damals bei mir kein Interesse. Aber ok, wem es gefällt, der soll es gucken. 1984 wurde dann in L.A. die Flamme entzündet und der Raketenrucksackmann flog spektakulär über das Feld. ARD, ZDF und die Bild überschlugen sich förmlich. Zum Glück wurde der Schmott mitten in der Nacht übertragen und für Teenies vollkommen unzugänglich, bereits vormittags wiederholt. (Mal Hand aufs Herz, wer steht mit 15 in den Sommerferien um 10:00 Uhr auf um Sport zu gucken? Wichtigere Probleme, waren zu lösen. In der “Batze”. In der Mädchenumkleide haben wir… ach lassen wir das. Zurück zum Thema.)

Aber dann dieser Song, der überall lief. Er brannte sich ein wie ein Tattoo, dass man nach alkoholbedingten  Gedächtnisverlust am Tag darauf auf seinem Arm findet.

Reach out, reacht out for the medals. Mein Vietnam. Danke Giorgio. Danke USA.

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Schäferhundhaltermentalität

Laut Tagesschau ist Deutschland inzwischen das kinderärmste Land Europas. Dazu sage ich nur herzlichen Glückwunsch!

Aber mal ehrlich, wir leben in einem Land von befristeten Arbeitsverträgen und Praktika. Wenn Du Glück hast, gehst Du mit 1400,- Euro netto nach Hause. Abzüglich Miete, Strom und vielleicht Telefon oder Internet bleibt davon nicht genug übrig sich Kinder zu halten. Und wie gesagt, wenn Du Glück hast. Auch die Sklaverei, in Form von Zeitarbeitsfirmen, hat längst wieder Einzug gehalten. Betriebsteile werden ausgegliedert, umfimiert, weggelobt, outgesourcest. Weil es geht.

Wer kann also noch ruhigen Gewissens für die Zukunft planen und finanzielle Verantwortung für Kinder übernehmen?

Aber wie soll sich alleine dieser Faktor ändern, wenn jedes Jahr Parteien gewählt werden, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Wirtschaft zu stärken? Geld fließt, im Gegensatz zu Scheiße,  nun mal nicht nach unten! Oben werden Gewinne maximiert, unten Löhne kurz gehalten. Da werden waghalsige Theorien von Fachkräftemangel aufgestellt um einen Erklärungsversuch für geringste Entlohnung zu starten. Aber der Vorstand fährt mit Sicherheit die neueste E-Klasse.

Oh, und jetzt höre ich schon die Rentnerparteianhänger rufen: “Aber wir tun so viel für Familien!” – Alleine die Abschaffung von Schulbuchfreiheit stellt viele Familien und vor allem Alleinerziehende, im August vor die Wahl: Schulbücher oder Essen im Kühlschrank für den Rest des Monats?

In Frankreich hätten längst Autos gebrannt.

Und wenn man sich dann trotzdem für Kinder entschieden hat, mögen diese doch bitte  ruhig sein. Der Schäferköter im Nachbarhaus kann 24 Stunden dauerkläffen und uns die Gehwege bis zu den Knöcheln vollkacken. Aber lass mal Deine Kinder draußen oder Mittags auf dem Spielplatz spielen.

Auch die Wohnungssuche hält uns Deutschen den Spiegel vor. Ruf mal bei einem potentiellen Vermieter an und frag nach der Wohnung, in die Du mit Deinen Kindern einziehen möchtest. – Schnappatmung.  Die 5 Katzen, die später um die Wette an der Tapete kratzen, muss man übrigens nicht angeben.

Naja, ich will das hier nicht, auch wenn ich noch ein bisschen könnte, weiterführen. Nur wundern tut mich nichts mehr. Unsere Rente wird keiner mehr zahlen. Wir essen dann Hunde und Katzen.

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Krisen

Liebe Griechen, ich bringe gleich meine PET-Flaschen zum Automaten und kaufe mir vom Pfand die Akropolis. Die verkaufe ich dann den Japanern für popelige 10 Mio. Euro als Blickfang für den Deckel des Betonsargs auf dem AKW Fukushima. Rundherum wird mit Erde aufgeschüttet und zack ist das Wochenendausflugsziel perfekt.

Wenn in Japan der gleiche Touristenrummel wie in Tschernobyl losgeht, leuchtet das griechische Prachtstück Tag und Nacht. Selbst ein Spieß der obligatorischen Gyrosbude kann mit der Energie aus einer einfachen Black&Decker-Kernbohrung betrieben werden.

Japan münzt die Katastrophe in eine Hammerattraktion um und Griechenland hat mein Pfandgeld. Eine klassische Win-Win-Situation.

Wer noch fragen hat, kann mich anrufen. ich führe ALLE aus der Krise.

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Toleranz wird groß geschrieben. Weil es ein Hauptwort ist?

Es gibt Dinge, da könnte ich aus der Haut fahren. Zum Beispiel als ich dank den Piraten von der Facebookseite “Keine Dritte Moschee in Hameln” erfuhr.

Abgesehen davon, dass nicht ein Gedanke über evangelische, katholische, neu-apostolische,  baptistische oder sonstige fischaufklebenden Bauvorhaben verschwendet wird, zeugt diese Aktion von einer Kurzsichtigkeit, die ganze Optikergenerationen ernähren könnte.

Aber nun gut, jeder hat das Recht seine Meinung zu haben und diese auch zu äußern. Aber ich finde man muss dann dazu auch stehen, den Gedanken in sich aufnehmen. Ihn leben!

Mit anderen Worten: wenn ich Euch Toleranzverweigerer noch einmal einen Döner essen, Pizza holen sehe, Ihr Euch Gyros bestellt oder Euch am Chinesenbuffet anstellt, setzt es einen Satz heiße Ohren.

Esst Eure Kohlrouladen bei Mama im Eichenrustikalwohnzimmer. Nehmt die “Kameraden” und trinkt Euer Bier zusammen mit den Herren im Maurerdekoltee in der versifften Eckkneipe.

Bitte keine halben Sachen mehr!

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Geht gleich weiter.

Mir wurde gerade gesagt, hier muss mal wieder etwas Neues rein. Ok, dann schreibe ich was.

Geht gleicht los.

Moment.

Ich schreibe gleich etwas kreatives, unglaublich lustiges, intelligentes.

Ok, war ein Spaß. Besser etwas aus meinem Leben.

Wie, will keiner hören? Jetzt hast Du es bis hier gelesen. Wird bestimmt noch super.

Nein wird es nicht,  denn mein Kopf ist leer.  Nein voll. Voll mit Gedanken und Sorgen um Umzüge und Familybusiness und Terminen. Voll mit Mahnungen. Schlecht gemeinten guten Ratschlägen. Terminen. Und noch mehr Terminen.

Inmitten von diesem ganzen Wust scheint auf einmal die Sonne. Einfach so. Aus dem Nichts.

Das liegt an den Freunden, die immer und immer wieder für uns da sind und auch an netten Menschen, die per Zufall meinen Weg gekreuzt haben. Neuen netten Menschen und auch an denen, aus einer (fast) vergessenen Zeit.  Mann lief seit Jahren aneinander vorbei, wechselt dann 5 Sätze und auf einmal fühlt man sich  zu hause.

Und wenn jetzt alles nach Plan läuft, dann habe ich meine größten Projekte in diesem Jahr in rund zwei Wochen über die Bühne gebracht. Sitze zu hause, lege die Beine hoch und schwitze den Glühwein vom Weihnachtsmarkt aus.

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Eine Eins im Armutszeugnis

“Multikulti ist tot” schmeckt wie billiger Pathos aufs Brot. Liebe Frau Merkel, lieber Herr Seehofer, ich schäme mich fremd für Sie.

Ja, ich gehe nun mal lieber in eine Trattoria oder zum Dönerladen an der Ecke, als mit Oma Unke im Wirtshaus im Spessart Grütze zu essen.

Ich rede  gerne mit dem Nebenmann im Zug und erfahre vom ihm, warum er hier und in London Medizin studiert und nicht in Pakistan, anstelle mich mit Sprachcollagen aus BILD-Zeitungszitaten  von Damen in karierten Hosen und grauen Kurzhaarfrisuren zu befassen.

Meine türkisch stammende Freunde sind bedeutend tiefer “integriert”, wenn man sich überhaupt so einer beschissenen Polemik bedienen will, als jeder Hirni mit Onkelz-Heckscheibe im Autoclub Arschgeige e.V. Ihre Mütter können besser kochen. Ihre Schwestern sehen besser aus.

Ich fahre gerne an das Mittelmeer und freue mich, wenn dort jemand etwas Deutsch versteht, nachdem ich mich mit meinem Kassenpatientenspanisch versucht habe verständlich zu machen. Und komisch, der ältere Herr in der Bodega im spanischen Nirgendwo freute sich einen Ast, mich damit überraschen zu können. Ich bin halt bockig, weil ich nicht in Kniebunthose im bayrischen Wald Urlaub machen mag. Jedenfalls nicht nur.

Ich fühle europäisch, ich lebe europäisch, ich esse europäisch, ich konsumiere global. Ich schäme mich für das, was hier in Deutschland zur Zeit gerade diskutiert wird.

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