Finde den Fehler

Am 75. Todestag von Sophie und Hans Scholl – wie an jedem anderen Tag des Jahres –   im Wartezimmer zu sitzen und einen Lonsdale-Pullover tragen empfinde ich als unüberlegt.

(Auch wenn ich die Bemühungen der Sportbekleidungsfirma honoriere sich die braune Kacke abzustreifen, dieses Pärchen samt Töchterchen heute morgen hatte mit Sport so viel zu tun, wie ich mit einer Frisurenberatung beim Intercoiffure.)

Und als wenn das noch nicht reichen würde, um mir auf den Sack zu gehen, hatten sie noch die Oma mit dabei, die ohne Unterlass mit ihrer Tochter hochbrisante Themen wie die vom Vater/Ehemann/Nachbarn/Beschäler falsch gekauften blauen Säcke oder die wie ein Mantra wiederholten Regelungen zum Handygebrauch während der offensichtlich kürzlich beendeten Rehamaßnahme austauschten.

Gerne nehmen wir anderen Patienten diesen steten Fluss an Informationen auf.

Aber wie zitiert mein bester Freund immer wieder gerne „eine Demokratie muss auch solche Leute ertragen“. Leider konnte ich Blödheit noch nie gut ertragen.

Als sich dann endlich die Oma aufmachte das Wartezimmer zu verlassen, kam es zum Höhepunkt des Entertainments: „Bist Du eigentlich sicher, das der Doktor da ist, der macht doch auch Hausbesuche?“, worauf er, wie von einer Tarantel gestochen im vollbesetzten Wartezimmer aufsprang und mit seinen Stummelbeinchen auf dem Flur der Arzthelferin hinterherlief, um postwendend wutschnaubend zurückzustampfen und zu krakeelen, ob es bei denen „hier“ „hackt“, denn wer „Termine vergibt, muss sich an diese halten“, um wiederum leider genau in diesem Augenblick von einer anderen Mitarbeiterin aufgerufen zu werden.

Wobei er natürlich mit den Terminen recht hat, denn aus den Gesprächen entnahm ich, dass er Handwerker ist (Deutscher Handwerker) und die sind ja dafür bekannt, dass sie ihre Termin minutiös einhalten, also kann er das ja wohl in einer Arztpraxis auch erwarten – was sollten die schon für Notfälle dazwischen bekommen?

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